Warum bin ich hier?

Auf der Suche…

Als ich ungefähr 10 Jahre alt war stand ich abends am Fenster und schaute in den Himmel. Ich spürte eine tiefe Sehnsucht in mir, fühlte mich allein und verlassen und tief in mir erklang die Frage: „Wo seid ihr“?

Damals habe ich nicht verstanden, was das bedeutete. Ich spürte nur diese abgrundtiefe Sehnsucht und Trauer. Irgendwas stimmte nicht, ich gehörte nicht hierher. Warum war ich hier. Wo ist meine Familie. Dieses und ähnliche Dinge gingen mir damals durch den Kopf. Ich verstand es nicht, denn ich hatte liebe Eltern, mir ging es gut, ich hatte alles was ich brauchte. Dachte ich.

Und trotzdem fühlte ich mich irgendwie nicht zuhause. Ich lebte in meiner eigenen Welt, führte oft Selbstgespräche, lebte in meiner Fantasiewelt, las und zeichnete viel. Ich war ein Einzelgänger. Was meine Klassenkameraden machten, interessierte mich nicht wirklich. Und so ging es auch in der Pubertät weiter. Ich fühlte mich am Wohlsten in der Natur und mit Tieren.

Viele Fragen und keine Antworten

Mit 14 Jahren entschied ich mich, mich nicht konfirmieren zu lassen. Mit Anfang 20 trat ich aus der Kirche aus. Ich wusste, dass es da etwas gab. Aber ich habe es nie in der Kirche gefunden und bekam dort auch nie Antworten auf meine Fragen. Für mich war immer klar, dass es „Gott“ oder welchen Namen man verwenden mag, gibt, aber mir war auch immer bewusst, dass „es“ überall ist und nicht eingesperrt in einer Kirche. Auch war die männliche Form nie stimmig für mich. Auch nicht eine weibliche. Für mich war das Göttliche immer eine Energie, die beides umfasst.

Am deutlichsten spürte ich diese Verbindung in der Natur. Für mich war die Natur und das Göttliche schon immer eins und ich gehörte irgendwie auch dazu. Nur die Zusammenhänge waren mir damals noch nicht so klar. Genauso wie ich wusste, dass mit dem „Tod“ nicht alles endete. Ich war mir sicher, danach bin ich nur woanders. Ich konnte nicht sterben, was immer die Menschen auch erzählten. Es gibt keinen „Tod“. Es gibt nur verschiedene „Bereiche“ wo wir sind, aber auch das war ein Gefühl, ich konnte es nicht erklären.

Da niemand mir meine Fragen beantworten konnte, vergrub ich sie in mir und lebte erst mal mein Leben. Schule beendet, eine Ausbildung gemacht, die ich eigentlich nicht wollte. Danach Branche gewechselt und 27 Jahre bei verschiedenen Banken gearbeitet. Nicht das, was ich wollte, aber sicher. Wie oft bewegen wir uns in dieser „Pseudosicherheit“ statt unserem Herzen zu vertrauen und das zu tun, was wir wirklich wollen! Hätte ich auf mein Herz vertraut, mein Weg wäre ein kreativer geworden. Aber vielleicht sollte es ja auch so sein. Es wird sich zeigen.

Es folgten Heirat, Scheidung, neue Beziehungen, viele Berufswechsel – mit jedem Wechsel Verbesserung der Position und jede Menge Wohnortwechsel. Ich glaube, ich bin in 10 Berufsjahren 7x umgezogen, ohne die anderen Umzüge in meinem Leben. Erst viel später erkannte ich, dass ich auf der Suche war. Und dass diese Suche im Außen nie zu einem Ergebnis führen würde. Als massive gesundheitliche Probleme einsetzten, begann ich wirklich etwas zu ändern. Und von dem Moment an, fand ich. Menschen, die mir weiterhalfen, Situationen, die mich ein Stück weiterbrachten und so weiter.

Erste Erfahrungen…

„Wenn du dein Leben nochmal von vorne anfangen könntest, was würdest du anders machen?“ Hat dir auch schon mal jemand diese Frage gestellt? Und was hast du geantwortet?

Ich würde nichts in meinem Leben anders machen. Weil jedes einzelne Erlebnis, jede einzelne Erfahrung, jede Entscheidung, jeder Schmerz, jede Freude und jede Begegnung mich hat lernen und wachsen lassen und mich genau zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Auch der Beruf, den ich eigentlich nie wollte. Ich wäre Menschen nicht begegnet, denen ich begegnen musste, ich hätte Erfahrungen nicht gemacht, die wichtig für mich waren und hätte vieles nicht auflösen können. Ich hätte mich vielleicht nie wirklich auf die Suche begeben zu meinem Ursprung.

Als ich Anfang 20 war, begann ich mit Yoga und Meditation. Mein Vater hatte mir ein Buch über Yoga geschenkt (es gibt keine Zufälle im Leben). Interessant war, dass ich von Anfang an ein tiefes inneres Gefühl dafür hatte, was für MICH stimmig war und was nicht. Ich weiß noch, dass ich einmal in meiner Heimatstadt vor der Tür eines „Meditationszentrum“ stand, die Hand an der Klingel, aber ich konnte nicht klingeln. Irgend etwas in mir sagte mir, dass es nicht gut für mich wäre, da hin zu gehen. Ich begann zu suchen und fand Bücher aus Indien, die sich für mich stimmig anfühlten. Es waren die Bücher von Selvarajan Yesudhian, die mich inspirierten, die einen sehr klaren und für mich authentischen Yoga vermittelten. Eine kurze Beschreibung seiner Person gibt es hier: http://www.yogazentrum-freiburg.de/freiburgeryogaschule/yogainspiration/yesudianhaich/index.html.

Ich verschlang sein Buch „Steh auf und sei frei“ gefolgt „Sport und Yoga“. Durch seine Bücher kam ich auf das Buch „Einweihung“ von Elisabeth Haich und ganze Dämme brachen auf. Ich spürte eine tiefe Verbindung. Danke, alter Freund. Täglich praktizierte ich Yoga im Selbststudium nach seinen Büchern. Und ich spürte deutlich eine Veränderung. Irgendwann merkte ich, dass ich sensitiver wurde. Interessant für mich ist noch heute, dass ich immer auf der Suche nach dem „wahren“, dem authentischen Yoga war. Ich fühlte, dass es eine sehr alte, reine Form gab, die so gar nichts zu tun hat, mit dem was sich heute alles Yoga nennt. Und genau diese habe ich immer gesucht. Als ich anfing „Wahrnehmungen“ zu haben, die man eigentlich nicht hat und immer noch niemand hatte, mit dem ich darüber sprechen konnte, habe ich von heute auf morgen aufgehört.

Es folgten einige Jahre des „Wiedereinschlafens“, bis der erneute Weckruf kam. Wie es weiter ging erzähl ich im nächsten Beitrag.

Das erhabene Ideal des Allmächtigen, das wir vor Augen haben, beweist, daß wir dieselbe Erhabenheit in uns tragen. Wir werden sie eines Tages verwirklichen. 
Selvarajan Yesudian  aus „Der Tag mit Yoga“

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