Stille

Abend, ich sitze im Wohnzimmer, draußen tobt ein Sturm und ich höre „Stille“.

Alles ist still – in mir, um mich. Ich überlege, ob ich müde bin. Nein, bin ich nicht. Ich bin einfach nur „Still“. Könnt ihr das nachvollziehen, das man Stille fühlen kann. Es ist so, als wenn der Verstand sich schlafen legt und alles weich und durchlässig wird. Ich sehe die Wand, die Möbel, die Bilder an der Wand. Aber existiert es wirklich? Ja, denn ich schreibe ja gerade diese Zeilen. Aber, schreibe ich wirklich oder träume ich das. Eine unwirkliche Situation.

Stille ist etwas wundervolles. Sie hüllt mich ein, sie nimmt alles von mir was stört. Der Alltag verfliegt und zurück bleibe ICH. In diesem Raum der Stille kann meine Seele sprechen, höre ich mein wahres ICH.

Da taucht die Frage auf: Warum reden Menschen so viel? Ich glaube, weil sie Stille nicht aushalten. Stille führt uns zurück zu uns, zu unseren eigenen (Seelen-)Anteilen, zum Göttlichen, zu dem was wir wirklich sind. Es führt uns aber auch in den Raum, in dem es kein Verstecken und keine Ausreden mehr gibt. In einen Raum voller Spiegel. Und in jedem Spiegel sehen wir uns. So wir wir wirklich sind, ohne Masken. Wir sehen alles was wir verdrängt haben, alles was wir nicht wahrhaben wollen, all das was wir nicht gut finden – an uns, an anderen. Es sind keine Vorhänge da, um die Spiegel zu verhängen. Das Verdrängen funktioniert nicht mehr – in diesem Raum der Stille. Alles will angeschaut werden. In Liebe angeschaut.Und das ist vielen nicht möglich. Es schmerzt zu sehr. Die eigenen vermeintlichen Fehler anzusehen, all die Verletzungen – die eigenen und die, die man anderen zugefügt hat, all das Verdrängte, die Trauer, die Wut, die Enttäuschung.

Ja, es ist unangemehm, die Maske abzunehmen und sich anzuschauen. Aber all diese Dinge gehören zu uns. Und jedes einzelne Puzzleteil, das wir ablehnen, wirkt auf einer anderen Ebene und behindert uns. So sehr wir es auch wegschieben, es kommt auf Umwegen immer wieder zurück. Wie ein kleiner Kobold schaut es um die Ecke und lacht uns aus. „Du kannst mich nicht verdrängen“, „Ich bin immer bei dir“, ruft es uns zu. Je lauter es ruft, desto mehr ignorieren wir es. Es wird zu einem Kampf zwischen „Geh weg, es gibt dich nicht“ und „Ich lass mich nicht vertreiben“.

Ich glaube, darum ertragen viele Menschen die Stille nicht. Weil sie dann auf diese Kobolde treffen. Und weil sie Angst davor haben. Dabei wollen diese kleinen Kobolde doch nur Beachtung. Sie wollen dir was zeigen. „Schau her, das ist passiert. Du kannst es nicht mehr ändern. Aber du kannst es loslassen. Du kannst dir verzeihen, du kannst anderen verzeihen. Und du kannst mich annehmen als Teil von dir.“ Und in dem Moment wo du das tust, löst sich alles auf. Es ist so, als wenn diese kleinen Kobolde sich in wunderschöne Lichtstrahlen verwandeln und in die Unendlichkeit entschweben. Sie sind wieder das, was sie immer waren.

Weder gut noch böse. Einfach ein Teil deines Lebens, ein Teil von dir, der beachtet und geliebt werden will. Dann sind sie wieder ein Teil der Einheit, sie haben ihren Sinn erfüllt.

Jetzt kannst du anfangen, die Stille zu lieben als ein Geschenk, das dich in jeder Sekunde ein Stück näher zu dir führt. Jetzt kannst du anfangen, dich zu L(I)EBEN.

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