Ostern und die Corona-Krise

Es ist Samstag vor Ostern. Wir leben in Zeiten von Corona und einiges ist anders als sonst. Kein Treffen von Freunden, Familie. Keine Veranstaltungen, viele Geschäfte haben zu.

Heute schrieb jemand auf facebook, man hätte Probleme, Ostergeschenke für die Kinder zu kaufen, Familien stellen deshalb Tische mit Spielsachen vorm Haus auf, damit andere sich etwas davon nehmen können.

Was für eine wundervolle Sache. DANKE, Corona.

Es berührt mich zutiefst, so etwas zu lesen. Bei allem, was diese Krise für Menschen, die gesundheitlich betroffen sind, bedeutet – sie setzt auch Zeichen. Diese Krise zeigt uns etwas. Sie lehrt uns.

Sie zeigt uns, wie verletzlich wir Menschen letztendlich sind. Wie abhängig von etwas, was größer ist als wir. Und sie zeigt einer ganzen Gesellschaft, der ganzen Welt, jedem Einzelnen auf, was wir ändern müssen. Werden wir es verstehen oder machen wir danach genauso weiter wie vorher?

Wir erleben „sogenannte“ Einschränkungen:

  • Kindergärten – geschlossen
  • Schulen – geschlossen
  • Geschäfte – je nach Branche geschlossen
  • Kurzarbeit – trifft viele Menschen
  • Keine treffen mit Freunden, Familie
  • Keine Veranstaltungen
  • Keine Reisen
  • Somit auch keine Ablenkungen

Wir werden „vermeintlich“ in unserer Freiheit beschnitten, andere sagen uns, was wir zu tun und zu lassen haben. Das führt bei manchem zu Verärgerung bis hin zu Wut.

Ich fühle weder Wut noch fühle ich mich besonders eingeschränkt. Ich frage mich, warum das so ist. Sind diese „Einschränkungen“ wirklich so gravierend für unser Leben oder können wir vielleicht sogar was daraus lernen? 

Es gibt sicher Einschränkungen, die hart sind. Keine Frage. 

  • Jemand der eh schon wenig hat und nun auch noch Kurzarbeitergeld bekommt – das kann eng werden. 
  • Die Eltern nicht zu sehen, keine Besuche im Krankenhaus, Altenheim. Ja, auch das ist hart. Ich gehöre selbst zu den Betroffenen, da meine Mutter im Altenpflegeheim ist.
  • Die Kinder den ganzen Tag zuhause, während die Eltern vielleicht arbeiten müssen – auch das schwierig.
  • Sicher ist die Situation mit drei Personen in einer Wohnung ohne Garten in der Stadt schwieriger als in einem Haus auf dem Land.

Und dennoch – wir bekommen gerade einen Spiegel vorgehalten. So mein Gefühl.

Ich teile seit nunmehr 16 Tagen auf facebook die Tagesbotschaften von Maitreya Dadashreeji. Heute lautet sie: Express yourself. Also „Drücke dich aus“.

Tun wir das noch? Sprechen wir wirklich miteinander? Hören wir dem anderen zu? Teilen wir wirklich mit, was uns bewegt, uns stört. Suchen wir gemeinsam nach Lösungen? In der Partnerschaft, in der Familie, mit Nachbarn, Kollegen?

Oder schlucken wir alles hinunter, weil es ja vermeintlich sowieso nichts bringt, kreisen wir nur um uns und unser Leben, haben wir aufgehört MITEINANDER zu leben? Verdrängen wir unangenehme Dinge tief in uns und lassen zu, dass sie sich irgendwann Bahn brechen in Form von Aggression, verletzenden Worten, die dann noch die falschen Personen treffen. 

Ich habe im Laufe meines Lebens eines gelernt: Alles was mir geschieht, will angenommen werden, es zeigt mir etwas, was ich zu lernen habe. Und wenn ich es verdränge, weil es weh tut, kommt es auf anderem Weg zu mir zurück.

Nun kann man freiwillig hinschauen oder sich im Äußeren ablenken. Aber irgendwann holte es uns ein. Sei es als Unzufriedenheit, Wut bis hin zu körperlichen Beschwerden. Also ist es doch besser, freiwillig hinzuschauen, bevor wir dazu gezwungen werden.

Die Zeichen der Zeit werden lauter und immer mehr Menschen merken, da stimmt was nicht. Wir müssen wohl doch was ändern. Das Klima kippt, die Armut nimmt zu, die Umweltschäden auch. Die Ressourcen werden knapp. Die Müllberge immer höher. Die Vereinsamung nimmt zu.

Also schreien wir, die anderen sollen es ändern. Die einen schreiben, die Politiker sollen endlich neue Gesetze machen, während die andern schreien – NEIN, nicht noch mehr Vorschriften. Da wird die Schuld bei den Landwirten gesucht, die Pestizide und Gülle auf die Felder streuen, beim Einzelhandel, der die Hersteller unter Preisdruck setzt (so hört man) usw. 

Immer sollen es die anderen richten, damit wir bloß nicht selbst aus unserer Komfortzone raus müssen. Heftige Aussage? Ja, vielleicht. Aber ist es nicht oftmals so?

Was ist also die Lösung?

Ich glaube, wir sind an einem Punkt angelangt, wo nur noch eine Bewusstseinsveränderung wirklich etwas ändern kann. Wir sind alle aufgerufen, uns selbst zu ändern, zu transformieren. Indem wir aufhören, danach zu schreien, das andere etwas ändern. Indem wir bei uns anfangen. Wie kann Frieden in der Welt sein, wenn es noch nicht mal in der Familie, auf der Arbeit funktioniert? Wenn wir noch nicht mal Frieden in uns selbst haben. Wie kann ein Miteinander funktionieren, solange Neid und Missgunst herrscht?

Und genau das zeigt uns die Corona-Krise, so mein Gefühl. Sie wirft uns auf uns selbst zurück.

Was bleibt, wenn im Außen alles weg bricht? Wie komme ich mit meinen Liebsten klar, wenn wir tage-/wochenlang nur beisammen sind? Was kann ich eigentlich mit mir selbst anfangen, wenn ich keine Anregung im Außen habe? Welche Emotionen kommen in mir hoch und warum?

Was gerade passiert:

  • Menschen kümmern sich um ihre Nachbarn.
  • Eltern, die nicht arbeiten müssen bieten Unterstützung bei der Kinderbetreuung an.
  • Privatpersonen fangen an Lebensmittel für Bedürftige zu sammeln und zu verteilen.
  • Eltern stellen Spielsachen zum verschenken vor die Tür, damit andere etwas nehmen können.
  • Es wird geteilt.
  • weniger Autoverkehr, weniger Flugverkehr.
  • Und die Erde, die Natur, die Tiere erholen sich.

Und das ist wundervoll. Hören wir nicht auf damit. Nicht jetzt und nicht nach Corona. Wir sind eine Welt – eine Familie.

Wenn wir alle zusammenrücken, wenn die, die etwas mehr haben, etwas abgeben, ist für alle was da. Wenn wir unseren Konsum reduzieren, gewinnt auch die Erde dadurch. Weniger Müll, weniger Ressourcenverbrauch. Vom ICH zum WIR. Wir leben nicht allein auf dieser Erde und sie gehört uns nicht!

Lasst uns nachdenken und tief hineinfühlen, was wirklich wichtig ist im Leben! Konsum und Geld? Oder Gemeinschaft, Frieden, Miteinander, Liebe? 

Jeder kann nur seine eigene Entscheidung treffen.

Ich empfinde es so: 

a) Die Erde ist ein lebendes Wesen. Sie ernährt uns. Sie schenkt uns Erholung. Sie reinigt die Luft, die wir zum Atmen, zum leben brauchen. Respektieren wir sie als lebendes Wesen, schützen wir sie und sagen wir öfter mal DANKE anstatt sie auszubeuten und zu zerstören.

Fülle, die Natur gibt alles, was wir brauchen.

b) Wir sind nicht der Nabel der Welt. Wir haben uns nicht selbst erschaffen. Es gibt etwas, was größer ist als wir. Und wir sind verbunden damit. Es ist unsere wahre Natur, die nie jemandem schaden würde. So viele haben nur die Verbindung dazu verloren. Erneuern wir sie, beginnen wir die Verbindung wieder herzustellen.

Mögen wir alle lernen, was wir zu lernen haben und dieses „Miteinander“ und „Füreinander dasein“ auch nach Corona aufrecht erhalten.

Ostern ist im Christentum das Fest der Auferstehung. In anderen Traditionen ist die Frühlingsgöttin Ostara das Sinnbild für das Neuerwachen der Erde, des aufsteigenden Lichts und die Wiederauferstehung der Natur nach einem langen Winter. 

Mögen alle Menschen aufwachen, aufstehen und zu einem neuen Miteinander in Frieden und in Liebe finden.

Ich wünsche euch schöne Ostern, genießt die Stille. Und wenn ihr allein seid, genießt die Zeit mit euch selbst.

Cornelia

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