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Visionssuche

Leben ist Veränderung und Wachstum. Alles fließt, sagte schon Heraklit. Ich habe mich vor langem schon entschlossen, mitzufließen. Und das führte mich zu wunderschönen Erlebnissen.

Ich liebe die Natur, sie ist ein Teil von mir. Ich gärtnere gern. In meinem Garten baue ich schon lange ein wenig Gemüse an und beschäftige mich mit Wildkräutern. In den letzten 14 Jahren ist ein Naturgarten entstanden, der nicht den „klassischen“ Vorstellungen entspricht, der ziemlich „wild“ ist, aber in dem alles wächst und blüht und in dem viele Tiere leben.

Ein sehr guter Freund hat mir nun für 2021 drei Punkte mit auf den Weg gegeben. Der erste davon ist: Finde deine Vision und lass dich durch nichts davon abbringen.

Und ich habe tief in mir gefragt, was ist denn meine Vision? Was will ich? Was möchte ich verwirklicht sehen? Wie stelle ich mir mein Leben und die Welt in der ich lebe, vor? Dazu am Ende des Textes mehr.

Zuerst möchte ich die Erinnerungen und Bilder mit euch teilen, die bei der Visionsuche hochkamen. Es ist eine etwas lange Erzählung geworden, aber diese Kindheitserinnerungen sind ein Grund dafür, warum ich diese Vision heute habe. Und vielleicht auch der Grund, warum ich mich entschieden habe, diesen Weg zu gehen. 

Mein Kindheitsparadies:

Ich hatte das Glück, dass meine Großeltern sehr abgelegen wohnten. In einem alten Fachwerkhaus mit einem riesigen Garten rund um das Haus. Rundum nur Wiesen und Felder, in und an denen wilder Mohn und Kornblumen wuchsen, und etwas entfernt ein Bauernhof. Ich verbrachte die ersten 4 Jahre meines Lebens dort und später sehr viele Ferien und Wochenenden.

Ein holpriger, langer Feldweg ging von der Landstraße ab. Dann ein kleiner Feldweg zum Haus. Vorbei an Bäumen und Wildblumen. Es waren 4 kleine Häuser, die  im Quadrat standen. Das Haus meiner Großeltern lag rechts, auf der rechten Seite des Hauses war eine Terrasse, davor ein kleiner Weg, der rund um das Haus ging. Gegenüber der Terrasse war der „Ziergarten“, also ein Stück „Rasen“ mit Gänseblümchen,  auf dem ganz rechts ein sehr hohe Tanne stand, daneben Büsche. Ein Busch hatte so überhängende Zweige, dass er wie eine Höhle gewachsen war. Man konnte von außen nicht hineinschauen. Es war einer meiner Lieblingplätze als Kind. So oft saß ich darin und träumte. Am Rasenrand wuchsen Bartnelken. Direkt vor der Terrasse waren Blumenbeete und eine wunderschöne, rote Kletterrose am Haus. Etwas weiter stand ein Pfirsichbaum und ein Renekloden-Baum. Es war ein wilder Garten.

Dann gab es eine Bleichwiese, dort war auch der Brunnen, aus dem das Trinkwasser kam. Mit der alten Schwengelpumpe wurde der Garten gewässert. Und es gab eine Zinkwanne. Wenn es sehr heiß war, wurde sie mit kaltem Wasser gefüllt und es war so eine Freude für mich, darin zu sitzen. Kleider waren nicht nötig, ich lief als Kind immer nackt im Garten rum und es war das natürlichste der Welt für mich. Genauso wie ich das Gemüse aus der Erde zog und es aß, ohne es zu waschen.

Im Gemüsegarten gab es Erdbeeren und Petersilie, Bohnen, Zwiebel, Lauch, Kartoffeln und Einges mehr. Der angrenzende Obstgarten wurde von einer großen Brombeerhecke mit vielen Stacheln eingezäunt. Es gab Johannis- und Stachelbeeren. Die besten Brombeeren meines Lebens.

Bei den Beerensträuchern gab es auch einen Walnussbaum. Unter ihm lag altes Totholz und dahinter war ein wirklich großer Komposthaufen, der von Wildpflanzen umgeben war. Ich habe diesen Baum geliebt. Stunden saß ich als Kind und Jugendliche in seinen Ästen und habe ihm erzählt, was mich bewegt. Und es gab einen alten, hohlen Baum, in dem viele Tiere lebten.

Was für ein Abenteuerspielplatz war das. Was habe ich dort mit meiner Freundin aus Kindertagen für Abenteuer erlebt. Wir bauten Burgen aus Kissen und Decken. Wir hatten Pferde aus Holzböcken, mit Gürtel festgezurrte Kissen waren die Sättel, aus alten Riemen und Schnüren flochten wir das Zaumzeug. Wir sammelten Spinnen und Käfer und beobachteten sie, anschließend ließen wir sie wieder frei. Wir sammelten Samen und Blüten im Garten, in Gläser mit Wasser aufgefüllt kochten wir daraus auf einem Herd aus Phantasie, der meist aus einem Stein bestand, eine Suppe. Wir standen auf der Treppe und imitierten Sängerinnen, in dem wir eine Wäscheklammer oder einen gefundenen kleinen Ast als Mikrofon in der Hand hielten und nicht immer schön, aber dafür umso lauter die neuesten Schlager gröllten. Unsere Phantasie genügte uns, um aus alltäglichen Dingen etwas Neues zu erschaffen.

Das Essen kochte meine Oma auf einem Holzofen und der Strom kam vom Generator, der regelmässig geladen werden musste. Wehe, wir ließen unnötig irgendwo Licht brennen. Da bekamen wir was zu hören. Aber das war alles nicht schlimm. Die Freiheit war unermesslich, sich ausprobieren, seiner Phantasie freien Lauf lassen. Schmutzig werden, nass werden, Tiere und Pflanzen erleben, den Kreislauf der Natur erleben. Niemals später konnte ich das so erleben, wie in dieser Kinderzeit. Und was ich nie vergessen werde: Der Geschmack des Wassers. Das Brunnenwasser, das aus der Erde kam, war einfach köstlich. Natürlich, frisch. Ein Genuss. Ähnliches habe ich nur in Griechenland in Bergdörfern erlebt, wo es auch noch natürliche Quell-Brunnen gab, wo das Wasser tief aus der Erde oder den Bergen kam.

Warum ist das gerade jetzt wieder so präsent bei mir? Natürlich verändern sich die Dinge und das Leben entwickelt sich weiter. Das ist ja auch gut so. Trotzdem frage ich mich, an was sich die Kinder nachfolgender Generationen erinnern werden, wenn sie erwachsen sind? Wir sollen unseren Ursprung nicht vergessen. Die Natur kann ohne uns leben, aber wir nicht ohne die Natur. Und vielleicht erinnere ich dies gerade jetzt, weil es so wichtig ist, dass wir diesen Zugang zur Natur nicht verlieren bzw. ihn wieder finden. Vielleicht erinnere ich es, weil es mein Leben geprägt und mich viel gelehrt hat. Sollten wir die Natur, die uns alles gibt, was wir brauchen, nicht besser bewahren, wertschätzen und achtsam mit ihr umgehen anstatt sie auszubeuten? Ich denke schon.

Dieses Paradies meiner Kindheit gibt es heute nicht mehr. Es ist ein Stück Leben, ein Stück Natur, ein kleines Paradies zerstört worden für Gewerbeflächen. Die alte Tanne, die vor meiner Geburt gepflanzt wurde, wurde gefällt, genauso wie der Walnussbaum. So viel Natur, die man den Tieren und Wildpflanzen weggenommen hat, die zerstört wurde. Und es war nicht nur die Fläche der vier Häuser. Heute ist dort auf mehreren Hektar alles Land versiegelt, zubetoniert. Und gerade ist man dabei auch noch die letzen Hektar zuzubetonieren. 

Was hat das jetzt mit meiner Vision zu tun?

Allein in Deutschland sind 45% der Flächen versiegelt und jeden Tag werden über 70 Hektar Land (laut Internet) für Siedlung- und Straßenflächen freigegeben. Unsere Nahrungsmittel kommen oft aus dem Ausland mit weiten Anfahrtstrecken obwohl wir sie hier anbauten könnten, im Osten gab es Sandstürme, weil die Erde ausgelaugt und erodiert ist. Es wird immer mehr Chemie eingesetzt. Hochwasser nimmt zu, weil man Flüssen ihre Auenwälder und Ausweichflächen genommen hat. Wir verbrauchen jedes Jahr 3 1/2 Erden. Der Pro-Kopf-Wohnraum ist von 17 auf über 40qm gestiegen. Wollen wir so weiter machen? Ich nicht.

Wir haben Nahrung, die den Begriff nicht mehr verdient, weil sie längst nicht mehr natürlich ist. Die Welt geht unter in Plastik. In Großstädten regiert meist „grau in grau“ und gibt es mal Parks steht auf dem Rasen oft „betreten verboten“. Kinder können und dürfen immer seltener solche Kindheitsparadiese, wie oben beschrieben, erleben. Sie dürfen zu oft nicht mehr Kinder sein und sich ausprobieren, experiementieren, ihre Phantasie nutzen. Und auch immer mehr Erwachsene entfernen sich von der Natur.

Aus Kindern, die Natur nicht mehr erleben dürfen, werden Erwachsene, die Natur nicht verstehen und die manipulierbar sind. Weil sie glauben, was man Ihnen vorsetzt, ohne zu hinterfragen. Die nicht mehr wissen, was es braucht, damit ein Same in der Erde wachsen kann. Die die Verbindung zur Natur verloren haben.

Aber es gibt auch Lichtblicke. Es gibt immer mehr, die anfangen, dem etwas entgegen zu setzen. Da gibt es essbare Waldgärten, Hortus-Gärten, Baumfeldwirtschaft, Solidarische Landwirtschaft, Miet-Gemüseflächen, Waldkindergärten und vieles mehr.

Die Veränderung hat begonnen. Und je mehr das erkennen und mitmachen, umso besser. Und ich glaube, dass sich ganz viele dafür interessieren. Dass oft nur der letzte Anstoss fehlt, um endlich aufzustehen und mitzumachen.

Wir müssen aufhören, die Ressourcen unserer Erde zu zerstören, wir müssen umdenken und neue Wege gehen. Und das kann jeder tun. 

Meine Vision ist in den letzten Wochen immer deutlicher geworden. Ich weiß, wie ich leben möchte. In einer intakten Umwelt, mit natürlich angebauten Gemüse und Obst, mit sauberem Wasser, mit Menschen, die im Einklang mit der Natur leben. Und ich glaube daran, dass es so sein wird.

Was kann ich selbst dafür tun?

Ich werde meinen Garten 2021 in eine Mischung aus Waldgarten und Hortus-Garten umwandeln. Das heißt, diverse Zierpflanzen werden gehen bzw. umgepflanzt. Dafür ein Aufbau in 3 Zonen, in denen der Garten sich selbst erhält. Also einen geschlossenen Kreislauf bildet, durch den Humus aufgebaut und kein Dünger benötigt wird. In dem sowohl Nutzpflanzen also auch Wildpflanzen gedeihen, in dem genug Lebensraum ist für Insekten, Wildbienen und andere Tiere ist. 

Es wird Informationen zu Wildkräutern, essbaren Wildpflanzen, Gemüseanbau und vielen anderen Themen geben.

Der Teich ist mittlerweile fertig und ein Frosch ist auch schon eingezogen.

Ich bin keine Biologin, keine Landwirtin. Aber ich möchte nicht nur reden. Verändern können wir nur, wenn wir ins Tun kommen. Und ich entdecke immer mehr Menschen, die sich in Netzwerken zusammenschließen und sich austauschen. Und diesen Weg werde ich gehen. Bist du dabei?

Steinbeet, aufgeschüttet aus übriggebliebene Kies und etwas Erde, bepflanzt unter anderem mit Dost, Bergbohnenkraut, Lavendel, Gras. Hier leben Kröten drin und im Sommer wuselt es nur so von Insekten und Schmetterlingen.

Ich werde auf meiner Website, in meinem Blog, den ich gerade umbaue, über die Entwicklung berichten. Und der Garten wird sich öffnen. Nach Absprache natürlich. Ich möchte Menschen die Möglichkeit geben, sich wieder mit der Natur zu beschäftigen, wieder zu erfahren, dass fast alles in der Natur essbar ist, das es kein „Unkraut“ gibt, sondern alles seine Berechtigung und Funktion hat, das wir in einer Einheit mit den Insekten, Mäusen, Käfern etc. leben können und trotzdem, oder gerade deswegen, eine Fülle an Nahrungsmittel für uns vorhanden ist.

Und evtl. wird es in Kürze ein ähnliches Projekt auf einer größeren Fläche geben. Aber dazu später mehr.

Ich freue mich auf dieses Jahr und auf das was kommt. 

Die Website wird auch eine Kommentarfunktion und die Möglichkeit des Austauschs erhalten. Bitte noch Geduld, aufgrund unseres „Datenschutzmonsters“ muss ich mich hier erst noch schlau machen und mir Hilfe holen. Und da ich das alles neben meinem Beruf mache, kann es etwas dauern.

Ich hoffe wir sehen uns mal im Garten.

Alles Liebe 

Cornelia